Das Fähnlein St. Georg der Stadtwache Hildesheim

Unsere Gemeinschaft der Historischen Stadtwache Hildesheim bildet ein Fähnlein, eine der jeweiligen Bäuerschaft zugehörigen Abteilung der Stadtwache ab.
Wir haben uns für die Bäuerschaft St. Georg entschieden, welche vom Pferdemarkt bis zum Ostertor reichte und mit der Osterstrasse und dem Ostertor eine wichtige Verbindungsstrasse in Hildesheim bildete, so führte der Verkehr des Hellweges (West-Ost Verbindung) durch dieses Viertel.

Als Hauptverkehrsstraße im Osten der Stadt, über die der Handelsverkehr vom Westen, vom Rhein her, durch das Ostertor über Braunschweig und Magdeburg zur Elbe und in den deutschen Osten ging, wird sie schon 1306 als "platea orientalis" erwähnt.

Sie erstreckte sich ursprünglich nur von der Marktstraße bis zum 3. Rosenhagen, umfaßte also genau das Stück, das der Verkehr vom Marktplatz zum Ostertor im Osten der Stadt benutzte. 1865 wurde die Osterstraße über die Abknickung zum Ostertor hinaus bis zurWallstraße verlängert und Neue Osterstraße genannt.

 

So haben wir viel zu tun in unserem Viertel:

  • Wach- und Tordienst am Ostertor
  • Patroulliengänge auf und an der Stadtmauer, in unserem Abschnitt.
  • Auf Anordnung des Burmester müssen stadtbehördliche Anweisungen des Rates durchgesetzt und ausgeführt werden.
  • Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen müssen wir auch durchgreifen und für Ruhe und Ordnung in unserer Bäuerschaft sorgen.
  • Bei Ertönen der Sturmglocke hatte jeder Bürger mit „siner Wapen, harnsch unde armborst“ (seiner Waffen, Harnisch und Armbrust) auf dem Markte zu erscheinen (Statut 30, von 1440);

Wer sich uns anschließen möchte kann gerne Kontakt aufnehmen oder hier schauen.

Bastian von Essem(Kurwächter /Hauptmann der Wachabteilung in der Bäuerschaft St. Georgii, Hildesheim)

Geboren zu Timotheus im Jahr des Herrn 1317 wurde ich auf den Namen Bastian getauft. Mein Vater war der Herr von Essem und drei weiterer Dörfer vor den nördlichen Toren der Stadt. Obwohl ein von Essem nützte mir der Name nicht viel. Mit zwei älteren Brüdern bestand nie die ernsthafte Hoffnung den Besitz zu erben. Doch wurde mir lesen und schreiben beigebracht und mir das Bürgerrecht für Hildesheim von meinem Vater erkauft. Ich erlernte das Handwerk des Schildermalers. 1346 folgte ich dem Blinden Johann nach Frankreich und entging nur knapp dem Tod. Abenteuerlust mit Blut bezahlt. Ich heiratete. Zwei Töchter blieben mir. Die Frau nicht. 1361 zog ich unter Waldemar von Dänemark nach Gotland. Niemand sollte so viele Gedärme und abgehackte Gliedmaßen sehen... Ein verirrter Pfeil traf mich im Nacken. Doch der Herr behielt ein Einsehen mit mir und ließ mich am Leben. Zwei pralle Geldkatzen Erschlagener und der Söldner Lohn konnte ich trotz der Wunde nach Hause bringen. Perfer et obdura ist der Wahlspruch meiner Familie. „Halte durch und zeige Stärke“. Mein Haus liegt in der Georgi Bäuerschaft. Dort leiste ich als Kurwächter meine Wehrpflicht für den Frieden und das Wohl der Stadt. Kämpfen wollte ich nach Visby nie wieder. Der Herzog von Braunschweig dachte im Jahre 1367 anders darüber...

Die Bäuerschaft St. Georgii

Georgii-Bäuerschaft:

 

Die St. Georg-Bäuerschaft lag östlich der Majoris-Bäuerschaft zwischen dem Sack und dem Rosenhagen.

 

 

Enthält Straßen und Plätze des Viertels zwischen östlicher Marktstraße bis Seilwinderstraße, dem östlichen Rosenhagen bis zur dritten Querstraße, der nördlichen Osterstraße bis zum I. Rosenhagen, gruppiert um die Kirche St. Georg in der Osterstraße. 

Scheelenstraße

Der Name erscheint ursprünglich 1282 als lusca platea neben einer platea Frisonum, später Vresenstraße. Diese Bezeichnung stammt wohl von dem Geschlechte derer von Frese. Einer dieser Adeligen schielte, und Döbner nimmt daher an, daß der Straße nach ihm der Beiname „Scheele“ (Frese) gegeben wurde. Diese Straße der Altstadt wurde  wahrscheinlich nach einem "schielenden" Mitglied der Ratsfamilie Frese (Friese) benannt, die in der Friesen- und Scheelenstraße erheblichen Grundbesitz gehabt haben dürfte.

 Sie geht vom Eingang der Rathausstraße bis zum ehemaligen Pferdemarkt vor dem jetzigen Geschäftshause der sogenannten Blankenburg.

 1282 als lusca platea; Schelenstrate zuerst 1311; das Vorwerk der Familie Frese wird von Hermann, Tile und Rolaf Frese 1393 an den Rat verkauft, es lag an der Stadmuren twischen huse unde wonighe der heren van Riddagheshusen und Hanses van dem Werdere.

 

 

Die Kirche St. Georg, Filialkirche der Pfarrkirche St. Andreas, nach der Reformation ev. Pfarrkirche, 1809 aufgehoben.34)

 

Im Jahr 1368 wurde die St. Georgskapelle an der Osterstraße durch den Bau eines Chors erweitert, 1500 kam ein Turm hinzu. Nach der Einführung der Reformation wurde 1546 zur Bezahlung der durch den Schmalkaldischen Bund geforderten Kriegsabgaben der Kirchenschatz geplündert, und die Kirche wurde evangelisch. Sie diente als Grablege für Bürgerliche und Adelige, deren Grab­platten den Fußboden der Kirche bedeckten bzw. an den Wänden angebracht waren. Ein Friedhof befand sich außerdem nördlich der Kirche an der Osterstraße. Zwei der Grabplatten aus St. Georg sind, sofern die Überlegungen zur Provenienz zutreffen, heute noch im Roemer-Museum erhalten (Nr. 663 u. 696). Ein weiteres Epitaph ist kopial überliefert (Nr. 518). Von der mittelalterlichen Ausstattung sind die Inschriften zweier Glocken bezeugt (Nr. 73 u. 212). Die Pfarrgemeinde wurde im Jahr 1809 aufgelöst; vier Jahre später wurden Gebäude und Friedhof verkauft, wobei die „Leichen­steine“ ausdrücklich zum veräußerten Inventar gehörten. 

Zur Georgiibäuerschaft gehören Nr. 1-16; zur Majorisbäuerschaft Nr. 17-34.

http://www.inschriften.net/hildesheim/einleitung/3-die-standorte-der-inschriften.html

Die Scheelenstraße ist fast vollständig durch Neubauten verändert. Von alten Häusern noch vorhanden:

 der Ratsbauhof:

sechs Spann langer Fachwerkbau Mitte 16. Jahrhundert mit (neuem) EG, erhaltenem ZG, vorkragendes OG mit Bodenluke (Aufzug) im Dach. Setzschwelle mit Vorhangbögen; die Brüstungsfelder mit schönem eingestochenem Fächerornament, die angenagelte Brustholzleiste ist verkröpft 

 

                                                       

Geschichte:

 Auf dem Bauhof waren mehrere Arbeitsgebiete vereinigt, auch Ställe und Scheunen für den städtischen Marstall.

Im übrigen ist oft die Rede von Transport, Verkauf usw. von Baumaterialien; an Gewerben werden Dachdecker, Steinmetzen und Maurer, sowie Steinsetzer genannt. Auch Geschütze waren dort aufgehoben, z.B. wurden 1406 „Donnerbussen“ nach dem Hagentor gebracht.

 

1412 wird ein Gerichtshaus verzeichnet; 1412 ist die Rede von einem „bornen bey des rades hofe“, also von einem Brunnen im Bauhof; 1416 wird ein Turm hinter dem Ratsbauhof erwähnt. 1413 werden von den Zimmermännern Fischbänke gebaut. 1420 wird von der Herstellung von Steinkugeln für die Donnerbüchsen berichtet; im gleichen Jahr stellen Zimmerleute Leiter und Schlagbäume her; 1421 werden „bussen“ (Büchsen, Kanonen) auf dem Ratshof gegossen. 1425 wird der Bergfried hinter dem Ratsbauhof gedeckt. Die Schmiede erforderte stets erhebliche Mengen Kohle, auch zum Gießen.

 

Spätere Nachrichten fehlen. Man ersieht aus dem allem, daß der Ratsbauhof ein für alle Zweige städtischer technischer Arbeit eingerichteter Werkplatz mit Ställen, Schuppen und Werkstätten war. An ihm lag auch der städtische Marstall.

Beschreibung

 Der Ratsbauhof, Scheelenstraße 2 (früher Nr. 284), wird jetzt (1911) als Wollmarkt und als Lagerhaus benutzt.

Der in der Architektur reicher behandelte Torbau (Bild rechts+links unten) besteht aus hohem Untergeschoß mit Zwischengeschoß und vorkragendem Obergeschoß. Zwischen den glatten Pfosten sitzen unten zwei vermauerte, mit Vorhangbogen geschmückte Lichtöffnungen. Der mit neuen größeren doppelflügigen Türen geschlossene Eingang war wohl der Aufgang zum Obergeschoß. Er ist mit einer ganz flach gehaltenen Muschel im Sturze geziert. Darüber sitzen zwei später nach unten etwas vergrößerte Fenster.

 

Der Haupteingang, eine hohe Durchfahrt, wurde durch nachträgliches Höherschieben der Bohlen der Bogenführung verdorben.

 

Die Schnitzerei dieses Bogens zeigt sehr phantastische Bilder von Meeresbewohnern; oben zwei tonfischartige Tiere mit ineinander geschlungenen Schwänzen, darunter zwei feuerspeiende Lindwürmer, deren geringelte Schwanzenden über den eingeschnitzten Säulen der Torpfosten endigen. Neben den oberen Türen sitzen die Wappen der Stadt. Bruchstücke von geschnitzten Muscheln in den Pfosten weisen auf ein ursprünglich oben durchgehendes Zwischengeschoß. Die Konsolen tragen Fratzenköpfe, die Füllbretter sind neu gemalt.

 

Der gleiche phantastische Schmuck ist in der Setzschwelle wiedergegeben. Von links nach rechts folgen die merkwürdigsten Fabeltiere, meist fischschgeschwänzt und mit Oberleibern von Säugetieren, aber mit Schnäbeln, darunter Mannesfiguren, Rosskopf, Drachen, Hasen und Hennen usw. Über der Schwelle sitzen acht ganze und zwei halbe Muscheln, teilweise mit Köpfen oder Tieren in der Mitte, dazwischen wieder Seegetiere aller Art. Der aufgenagelte und auch gekröpfte Sims ist charakteristisch für die Bauzeit, die sogenannte Übergangszeit zwischen Gotik und eigentlicher Renaissance. Die Inschrift in der Mitte der Setzschwelle lautet:

 

ANNO DM

 

M D XL (1540)

 

SOLI DEO GLORIA

 

Die Fenster des Obergeschosses sind ebenfalls stark verändert, die alten Stürze mit den Vorhangbogenmotiven nach oben gerückt. In den Konsolen unter den Deckenbalken sind ebenfalls Männerköpfe angelegt, die Schwelle des Dachverbandes zeigt die flachen Muscheln wie an der Seitentür. Die Füllbretter sind auch hier neu bemalt.

 

In der Mitte, über der Achse der Durchfahrt, ist der alte Zugang zum Obergeschoß noch deutlich erkennbar; er beweist, daß in ihm ein Lagerbogen war. Leider ist der alte Charakter dieses Geschosses, das, abgesehen von den beiden äußersten Fächern, eine durchgehende Fensterreihe besaß, durch ungeschickten Umbau total verdorben worden.

 

Carl Lachner nimmt an, daß die Schnitzereien des Ratsbauhofes einem älteren Holzhause entnommen seien und spricht den Darstellungen der Setzschwelle analog dem tieferen Sinne der sonstigen Skulpturen frühmittelalterlicher Kirchenkunst Hildesheims symbolischer Bedeutung zu. Nach ihm ist die halbe menschliche Figur zur Linken, welche einen Basilisken mit geöffnetem Rachen trägt, das „himmlische Jerusalem“, das die wilde Tiernatur umwandelt. Die Tiere der nächsten Gruppe, durch Ringelschwanz, Schnabel usw. verbunden, seien das Symbol der Dreieinigkeit, als welche oft drei Ringe auftreten. Die in den Schwanz beißende Schlange sei als Ewigkeit zu deuten. Die zwei nächsten Tiere mit Stäben entsprechen dem Gerichte. Die Sirene mit dem Frauenkörper, die sinnliche Versuchung, wird bestätigt durch den Bogen als Symbol der rohen Macht des Krieges, der Teufel als Beherrscher beider. Die Sirene mit dem Fisch in der Hand vor einem Ungeheuer, rettet die Seele vor dem Rachen der Hölle, ein beliebtes Sinnbild der Taufe als Wiedergeburt. Hirsch und Pferdekopf, mit Blumen als Schwanzende deuten den Frieden der durch die Taufe geretteten Seelen an.

 

Der Pelikan (hinter der Jahreszahl) ist das Sinnbild der Opferung Christi; die zwei Basilisken das der Vorhölle. Die beiden Figuren haben Vogelköpfe, nach germanischer Sitte, andeutend die Seele Verstorbener. Zwei Füllhörner, eine menschliche Büste umgebend, deuten die Himmelfahrt, gleichsam das Füllhorn des Glücks der Menschheit an. Die beiden Kampfhähne mit dem Friedensband entsprechen dem ewigen Frieden; zwei gefesselte zottige Böcke dem gefesselten Teufel; zwei weitere Tiere mit hundeähnlichen Köpfe dem gefesselten Tod; auf dem rechten Balkenende ist in einem den Rachen weit aufsperrenden Ungeheuer die Hölle selbst versinnbildlicht.

 

Demnach wäre das Ganze das Weltgericht in symbolischen Bildern; am jüngsten Tag richtet die Dreieinigkeit und bestraft die Sünden; die durch Taufe Geretteten gelangen ins Himmelreich. Für die Sünder opfert sich Christus, steigt in die Vorhölle, errettet die die Seelen aus dem Fegefeuer, kehrt in den Himmel zurück, ewiger Friede kehrt ein, Teufel und Tod werden gefesselt.

 

Ähnlich erklärt Lachner die Skulptur der Einfahrt: die beiden feuerschnaubenden Drachen, darüber links ein ornamentierter Löwe, rechts ein Fisch, ergeben in den Fischen das Christentum, in dem Löwen den starken Glauben, in den gefesselten Drachen die Torwächter oder die besiegte Sünde.

 

Die Formen sind sehr altertümlich und Lachner weist darauf hin, daß urkundlich feststeht, daß bereits im Jahre 1260 an der Stelle des jetzigen Ratsbauhofes ein von der Familie Freysen oder Fresen erbautes Vorwerk lag, welches 1393 der Rat der Stadt ankaufte. Lachner nimmt daher an, daß die Skulpturen einem hier früher gestandenen älteren Gebäude entstammen und beim Neubau 1540 wieder benutzt wurden.

Die Füllbrettmalerei des Ratsbauhofes ist teilweise unter Benutzung älterer Motive erneuert. Darunter Sprüche wie z. B.:

Wer will baven an der Straßen,

muß sich durch unütz Geschwätz nicht (irren lasen)

oder

Was schadet (es) dem Monde, wenn ihn der Hund anbellt.

 

Hofbauten

 

 Im Hofe selbst ein 20 Fache (Spanne) langer gotischer Fachwerkbau, jetzt als Speicher dienend, sowie ein großes 1481 umgebautes Steinhaus, mit großen Eckquadern. In einem solchen die Figur eines Stadtboten (Bild) mit quadriertem Stadtwappen, eine ausgezeichnete Darstellung mit der Zeitangabe in gotischen Minuskeln:

m cccc l xxx i ī viḡlā sct btolomei

(1481. in vigilia sancti bartolomei = 24. August)

Nach Dr. Gerland stellt der Wappenhalter eine „Einspännigen“, d. i. einen Stadtknecht dar, welche neben ihrem Berufe als Läufer oder reitende Boten auch Waffendienste taten, und der deshalb den Schild als Schutz trägt.

 

Das Grundstück des Ratsbauhofes war ursprünglich das sogenannte Friesenvorwerk; ein Besitztum der Familie Frese. Aus dem Plane von 1769 ist ein Turm zu ersehen, den auch Merian 1653 zeichnete.

Text-Quelle:

- Literatur

Bild-Quelle: 

Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 41f

 

Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 75ff

 

Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 75ff

Der 1540 errichteter Bauhof der Stadt befand sich im Bereich der heutigen Scheelenstraße 2.

 

Der Rat kaufte im Jahre 1393 ein Grundstück hinter dem Rathaus im Bereich der Scheelenstraße 2, um es als  Mehrzweckplatz nutzen zu können. Zuvor befand sich dort das der Familie Friese gehörige, 1481 niedergelegtes "Friesenvorwerk". 

 

Die auf dem großen Areal errichteten Fachwerkgebäude dienten dann als städtischer Marstall, Lagerhalle, Bauhof,  Wollmarkt, Feuerwehr und Speditionsunternehmen. 

 

Zwischen 1883 und 1889 wurde der Ratsbauhof durch den Stadtbaumeister Schwartz Umgebaut, da er mittlerweile baufällig und auch zu klein wurde.

 

Die Aufgabe, das Äußere so zu gestalten daß es sich dem Bilde des nahen Marktplatzes völlig anschließt, im Innern aber die nutzbaren Räume zu vermehren und zugleich auch bequemer zu gestalten sowie den alten Festsaal „würdig“ auszugestallten wurde in den Augen der Stadtväter vollkommen erfüllt.

 

Im Unterbau hatte das Gebäude nur zwei Eingänge und kleine Fenster in der Höhe des Zwischengeschosses der Wohnhäuser. In dem vorkragenden Obergeschoß befanden sich große Fenster mit einem Vorhangbogen.

 

Seitlich im Hof stand ein 20gefachter langer altgotischer Fachwerkbau mit einem rundbogigen Tor. Ferner ein 1481 umgebautes Steinhaus mit dem eingeritzten Bild eines Stadtsoldaten von 1481.

 

Über dem Eingangstor - ein Bauwerk der Frührenaissance -  auf der Setzschwelle, in den Füllungen und an den Kopfbändern befand sich ein flach gehaltenes, inhaltlich schwer zu enträtselndes, in nordischen Motiven gehaltenes Schnitzwerk: Teufel, Sirenen, „Weiber mit Fischschwänzen“ (Nixen), Pelikan, Hahn und Böcke.

Der Torsturz wurde später höher gerückt, sodaß die Schnitzerei der Einfassung außer Zusammenhang gebracht wurde. Die Inschrift in der Mitte der Schwelle lautete:

Scheelenstraße:  „Anno Dm MCXL (1540) Soli deo gloria“ (Gott allein die Ehre).

Die Konsolen unter dem Deckenbalken trugen Neidköpfe. Die Windbretter trugen folgende Inschriften: 

"Was schadet dem Monde, wenn ihn der Hund anbellt“,

das zweite:

 „Wer will baven an der Straßen, muß sich durch unnütz Geschwätz nicht (irren lassen)“.

Im hinteren großen Hof, das ehemalige Friesenvorwerk,  sah man an einem alten 1481 umgebauten Steinbau, in eine der großen Eckquadern eingeritzt, die Figur eines Stadtboten mit dem quadrierten Stadtwappen. Die sehr  charakterliche Figur war lebendig und „flott“ gezeichnet.

 

Das Gebäude wurde im alliierten Bombenhagel von 1945 zerstört. Heute stehen an der Stelle Wohn- u. Geschäftshäuser.

 

Text-Quelle:

 

- Literatur

F. Borgmeyer, "Führer durch Hildesheim", Verlag F. Borgmeyer Hildesheim 1920, Seite

 

Quelle:https://www.hildesheimer-geschichte.de/die-bauwerke/kommunale-geb%C3%A4ude/ratsbauhof/

 

Der Pferdemarkt

Der Pferdemarkt Hildesheim - gelegen auf dem Platz zwischen Scheelen-, Juden- und der Schuhstraße, heute gekennzeichnet mit dem "Blauen Pferd" - wird erstmals in einer Urkunde vom 14. Juli 1358 als ,perdemarkede’ erwähnt. Bis etwa 1900 wurde hier mit Pferden gehandelt. Spätestens 1406 ist der Platz ganz oder teilweise gepflastert worden, wie die Kämmerei-Rechnungen des Hildesheimer Rates ausweisen. 1414 und 1425 werden Unratsbeseitigungen ....unde den perdemarkede einigenden.... erwähnt und 1427 errichten Zimmerer einen Verschlag.

Text-Quelle:
http://www.kulturium.de/index.phtml?object=tx%7C1878.31&NavID=1878.43&ModID=9&max=100&k_sub=1&kat=562.30.1&pkid=562.29.1&FID=1878.50.1

Pferdemarkt, Marstall, die Pferde des Rates...

Der Braunschweiger Hof in der Scheelenstrasse

 Der in der Scheelenstraße Nr. 31 (früher Nr. 312) liegende Braunschweiger Hof (Bild) von 1563 ist ein stattlicher Bau von 14 Spann Länge mit umgebautem EG, erhaltenem ZG und vorkragendes OG.

 

Interessant die schiefe Stellung des Gebäudes im Baublock, sodaß sämtliche Konsolen in der Vorderansicht nicht senkrecht sondern seitlich erscheinen, ein Umstand, der sehr zu der kulissenartig-perspektivischen Wirkung des Hauses im Straßenbild beiträgt. In der Aufnahme (Bild 1 in gerader Ansicht aus praktischen Gründen gezeichnet). Das (umgebaute) EG zeigt noch Reste einer mit Hohlkehle und gekehlten Stäben profilierten Torfahrt; darüber zwei Hausmarken: links ein Schild mit drei Bäumen, rechts ein solcher mit Hirsch; dazwischen die Jahreszahl 1563.

 

Die Brüstung ist gemäß der Nachahmung des Steinstiles jener Zeit durch aufgenagelte, gekröpfte Profilleisten in Architrav und Fries geteilt; die Fenstersturze zeigen den damals beliebten Vorhangbogen, die Pfosten sind mit Stäben profiliert; die Rollkonsolen auf dem Rücken mit Kanneluren.

 

Der Erker ist im ZG und OG auskragend und ein zierliches Werk des 17. Jahrhunderts. Im UG sich auf ursprünglich wohl eisernen (jetzt neuen hölzernen) Streben aufbauend, sind seine Füllbalken mit Eierstäben und Zahnschnitten geziert, die Setzschwelle und das Brustholz mit den typischen Zahnschnittleisten benagelt (Bild 2). Die figürlichen Darstellungen beziehen sich auf den Lebensmut der Jugend.

 

Im Zwischengeschoß zeigt die linke Schmalseite die Inschrift:

 

SIC PERGIMVS AMBÆ SI FORTVNA IVVAT CAVETO TOLLI

 

Darüber eine Schnitzerei: Ziege springt über eine andere, auf schmalem Steg liegend weg.

 

An der Vorderansicht links:

 

Wappen von Schildhaltern (Engel) getragen, links quartiertes Schild, weißrot, rechts desgl. geteilt in Gold. Unterschrift:

 

OMNES CINIS ÆQVAT SOLA ∙ DISTINGVIT ∙ VIRTUS

 

An der rechten Schmalseite: Darstellung eines Jünglings, die Spitze eines Stabes in ein Feuer haltend. Unterschrift:

 

MOROSIS | CEDENDVM ∙ 1621 ∙ | SI FORTVNA TONAT | CAVETO MERGI

 

Die Pfosten im ZG sind an den Ecken und der Mittelsäule als Hermen gebildet (Bild 3). Die Konsolen mit Metallstilornament geziert.

 

Im Obergeschoß des Erkers an der linken Schmalseite eine Schnitzerei:

 

Nackter Mann eine Palme erkletternd, Beischrift: ARDVA QVÆ PVLCHRA;

 

In der Front links: Kinder, sich herumtollend, Gänse vor ihnen wegfliegend, Beischrift: SEMPER PVERI,

 

an der rechten: zwei Frauenfiguren, mit geschlitztem Kleide, die linke mit Buch, in der Mitte eine kauernde nackte Figur, links im Hintergrund ein Rundtempel, Beischrift: LVBRICVM JVVENTVTIS.

 

An der rechten Erkerschmalseite: ein von Insekten gequälter Elefant mit der Beischrift:

 

EGO ∙ VERO ∙ HAVD ∙ MORDEOR

 

Am Hause hängt ein schön gezeichnetes Metallschild (Bäckerinnungszeichen, von zwei Adlern gehalten), mit Beischrift: Bäckergesellen-Verkehr.

 

[4] Das 1563 errichtete Gebäude stand in der Scheelenstraße Nr. 31.

 

Herausstechend war die schiefe kulissenartige Stellung des Gebäudes im Baublock. Über dem Rest der Torfahrt befanden sich 2 Hausmarken: Baumgarten u. Hirsch. Der Erker war von 1621

 

Das Gebäude war mit einem schön geschnitzten Erker, Figurengruppen und mit folgenden, auf lateinisch geschriebenen Sprüchen, versehen:

 

„Allzeit jung“, „ Geschmeidigkeit ziemt der Jugend“, „ Alles gleichet der Staub, einzig die Jugend ragt vor“, „Schwierig ist, was schön“, „ So halten wir es mit beiden: Wenn Fortuna dir hold, hüt dich vor Überhebung, wenn Fortuna grollt, hüte dich, geduckt zu werden“, „Den Mürrischen geh‘ aus dem Weg“, „ Ich habe ein dickes Fell“.

 

An der rechten Seite des Erkers sah man einen von Stechfliegen umschwärmten Elefanten mit der Inschrift: „Ego haud vero mordior“ (Ich werde wirklich nicht gebissen). Der Besitzer des Hauses wollte damit seine Mitbürger zu verstehen geben, daß er sich um ihr Gerede nicht kümmere, daß er „ein dickes Fell“ habe.

 

Besonders schön war das Bild auf der anderen Seite des Erkers, in dem sich zwei Ziegen auf schmalem Steg begegnen. Ohne zu streiten lösen sie das Problem des Herüberkommens, indem sich eine Ziege niederlegt und die andere über sie hinwegspringt. Darunter stand die erläuternde Inschrift: „Sic pergimus ambae“ (Auf diese Weise kommen wir beide hinüber).

 

Auf dem zierlichen Erker befanden sich Figurengruppen mit Inschriften: Semper pueri (immer Knaben), Lubricum juventutis (Leichtsinn der Jugend), Omnes cinis aequat sola distinguit virtus (alles gleichet der Tod, hervor nur raget die Tugend), Ardua quae pulchra (Schwer ist das Schöne), sic pergimus ambae Si fortuna juvat, caveto tolli (So kommen wir beide hinüber, wenn das Glück dir hold, hüte dich vor Stolz.) Darüber zwei Ziegen auf einem schmalen Steg, eine duckt sich und läßt die andere über sich hinwegspringen.

 

Ego haud vero mordior (Ich habe ein dickes Fell), darüber ein Elefant, der von Mücken umschwärmt wird.

 

Morosis cedendum Si fortuna tonat, vaveto mergi (Den Mürrischen meide. Wenn das Geschick dreut, der Weise sich nicht scheut). Darüber ein Mann am Feuer. 

Quelle: https://www.hildesheimer-geschichte.de/das-%C3%B6ffentliche-leben/essen-trinken-und-%C3%BCbernachtung/braunschweiger-hof/

Die Osterstrasse

DIE OSTERSTRASSE

Allgemeines

 Die Osterstraße als „platea orientalis“ 1306 erstmals erwähnt mit der Georgskirche, die im gleichen Jahr genannt wird, als Mittelpunkt; ins Ostertor einmündend, gehört von Nr. 1 – 15, 40 – 60 zur Georgiibäuerschaft. Ihren Namen hat sie scheinbar von an ihr liegendem Besitz einer Bürgerfamilie die im 13. Und 14. Jahrhundert viel genannt wurde.

 

Von den Straßenzügen Hildesheims hat die Osterstraße am besten noch den geschichtlichen Charakter bewahrt.

 

Als die Hauptverkehrsader vom Ostertor zum Friesentor, ohne Berücksichtigung des Marktplatzes, war sie von Anfang an von Bedeutung. Sie zerschnitt das ehemalige Ackerterrain in schiefem Winkel, infolgedessen bauen die einzelnen Anlieger ihre Häuser vielfach rechtwinklig zur Langseite des Ackers, sodaß eine Staffelung der Gebäude entsteht, die außerordentlich günstig im perspektivischen Straßenbild wirkt. Trotz der teilweise sehr einfachen Häuser ergeben sich beim Durchschreiten infolge der leichten Krümmung des Straßenzuges stets neue, malerische Ansichten.

 

Die Osterstraße beginnt am ehemaligen, jetzt abgerissenen Ostertor, das seitwärts nach Osten zu der auf dem ausgefüllten Graben hinziehenden neuen Straße, der Zingel, führte. Von der Osterstraße ist der Teil bis zum 1. Rosenhagen westlich fast ganz unberührt, oder doch in Umbauten des 18. Und Anfang des 19. Jahrhunderts mit großem Geschick ergänzt, ebenso die Ostseite vom Ostertor bis Nr. 46.

 

 Als Hauptverkehrsstraße im Osten der Stadt, über die der Handelsverkehr vom Westen, vom Rhein her, durch das Ostertor über Braunschweig und Magdeburg zur Elbe und in den deutschen Osten ging, wird sie schon 1306 als "platea orientalis" erwähnt.

 

Sie erstreckte sich ursprünglich nur von der Marktstraße bis zum 3. Rosenhagen, umfaßte also genau das Stück, das der Verkehr vom Marktplatz zum Ostertor im Osten der Stadt benutzte. 1865 wurde die Osterstraße über die Abknickung zum Ostertor hinaus bis zurWallstraße verlängert und Neue Osterstraße genannt.

 

1871 wurde die Straße abermals bis an die Bahnhofsallee (jetzt Kaiserstraße) verlängert und 1893 der ganze, nochmals bis zumBankplatz verlängerte Straßenzug durchgehend Osterstraße benannt. Damals wurde auch an ihrem Südende das Stück zwischen Markt- und Rathausstraße zur Osterstraße gezogen.

 

(im Original übernommen)

 

Beschreibung

DIE WESTSEITE

Nr. 12 (165): Ehemaliges Haus der Brauergilde. 9 Spann Länge, EG. Mit ZG., vorkragendem OG. Mit links aus dem Terrain, rechts auf gedrehten Eisenstäben vorkragendem Erkern von 2 Spann Breite. Mit hübscher Diele. Zweiflügelige Eingangstür mit Oberlicht und reichem Rokokoornament, Messinggriff als Fischweib ausgebildet. Größere Kelleranlagen auch im Hinterhaus; in dessen Sockel ein Stein mit Wappen mit „W“ im Schilde vermauert ist.

 

Nr. 11 (164): 7 Spann lang, EG. mit ZG. Und vorkragendem OG., drei Lagerböden mit Luken im Dach. Mit Schiffskehle im Füllholz und in der Schwelle. Ende des 16. Jahrhundert erbaut. Die im 18. Jahrhundert umgebaute Diele ist in der Grundrißanlage (Bild 1+2) besonders interessant.

 

Das Haus war ursprünglich eine Lohgerberei. Seitlich rechts der Einfahrt liegt deshalb der Kontorraum; in den erweiterten Dielenraum führt ein kleiner erhöhter Umgang zu der Stube, Küche und dem Hinterbau. Bei „a“ (Bild 2+3)hing früher die Wage für die Häute, die durch eine Falltür bei „b“(Bild 2+3), welche in sämtlichen Stockwerken an gleiche Stelle sich wiederholte, in die oberen Böden hinauf geschafft werden konnte. Die Ansicht der Diele zeigt die gefällige Anordnung der etwas über der Flur erhöhten Galerie. Sehr interessant die noch im Dachboden befindliche alte Seilrolle (Bild 4), die durch Einsetzen von Griffhölzern in seitliche Löcher der Radscheibe bewegt wurde.

 

 

 Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1911, Band II, Heft 4, Teil 1, Seite 209/10 

 

 

Nr. 9 (162): Vorzüglicher Wohnbau. Typische dreistöckige Fassade des 18. Jahrh., 11 Achsen lang, Mittelrisalit von 5 Achsen mit schwerem Dreiecksgiebel, bekrönt durch eine schön gezeichnete Vase. Das unterste Geschoß 1897 zu Läden umgebaut. Im Innern groß angelegte Treppe mit doppeltem Laufe; nach dem Garten liegt ein Saal in Höhe Podest des untersten Laufes mit reicher Stuckverzierung. Die Giebelseite nach dem 1. Rosenhagen, mit vorkragendem Giebelgescho0, ist fast unverändert erhalten, hier noch die aufgenagelte Leiste am Fensterbrustholz.

 

Über die Geschichte des Hauses ist leider nichts bekannt, ursprünglich  Patrizierhaus.

 

Nr. 8 (161): schönes gotisches Haus von 12 Spann Länge, EG. und ZG. und vorkragendes OG., mit Füllbrettern, Konsolen und Schwellen mit Dreieckzier. Rest einer spitzbogigen Tür im umgebauten Untergeschoß. Gute Ecklösung mit drei Ständern.

 

Nr. 7 (132): das sogenannte „Altdeutsche Haus“.

 

Nr. 6 (131): jüngerer Fachwerkbau mit mehrfach gekreuzten Streben, 5 Spann lang, dreistöckig.

 

Nr. 5 bis 3a: Neubauten

 

Nr. 2 (181): dreistöckiges Haus, sechs Fensterachsen, mit Zwerghaus aus dem 17. Jahrh.

 

Nr. 1 (80): einziges massives Haus der Osterstraße, älteste Teile aus dem 16. Jahrhundert. Front, abgesehen vom Portal, 18. Jahrh., dreistöckig, fünf Fensterachsen (Grundriß Bild 1).

 

Das Vorderhaus, mit 1,5 m starken Mauern, ursprünglich gotisch, wurde im 18. Jahrh. Umgebaut; nur das Portal (Bild 2), ein prächtiges wuchtiges Werk der Spätgotik, blieb erhalten. Es ist durch zwei Halbsäulen mit Birnstabprofilen zwischen großen Holzkehlen sowie gleiche Bogenprofile, aus der äußersten und innersten Face der Abschrägung wachsend, höchst wirkungsvoll gegliedert. Auch die Rokokotür ordnet sich der Steinumrahmung geschickt und reizvoll ein.

 

Die spätgotischen Erdgeschoßfenster der Hofseite hatten urprünglich Mittelpfosten; die des OG zeigen Flachbogen mit Schräge. Hart daneben sitzt an der Nordseite ein schwer lesbarer Inschriftstein nebst Wappen: (h) rechts schreitender Löwe im Schild (Vam Hagen).

 

Die Inschrift lautet:

 

Na – xpc (Abkürzung für christus) – geboren – m – d – c – c – c – c – c  (1500) – hett – gielike – gebuwet – late – ludeke – vam – haghen – dat – hus –

 

Die Hinterfront ist durch einen Seitenbau, eine sogenannte Kemenate verlängert, die nach der Nord- und Westseite je ein Doppelfenster mit je zwei, und zwei weitere mit je drei Öffnungen hat (Bild 3). Die Pfosten dieser Fenster fehlen. Laut Jahreszahl stammt dieser Bau von 1535.

 

Im Obergeschß der Kemenate ist ein einfaches dreiteiliges Fenster mit Pfosten mit schwachem Hohlkehlenprofil.

 

Das Innere des Baus enthielt einst eine sehr schöne Diele.

 

Die Treppe mit einfachem, ansprechendem Geländern, das oberhalb der neu eingezogenen Decke noch entlang läuft, läßt die Lage der ehemaligen hier angeordneten Galerie gut erkennen. Die ehemaligen Türflügel des Portales aus der Rokokozeit sind – jetzt angehängt – im Hinterbau noch erhalten; Schloß und Drücker (Hand mit Stab) sind noch an ihnen befestigt.

 

An der Ecke der Kemenate eine weitere Wappentafel; Schild mit (h) rechts schreitendem Löwen, darunter die Inschrift:

 

HENNI-VAM-HAGHEN

 

LVDEKEN-ZELIGER-SON-FECIT

 

15 Wappen 35

Ein im Keller angelegter langer Gang, angeblich bis zum sogenannten Tempelhaus auf dem Marktplatz führend, ist jetzt bei 14 m Länge zugemauert. Im Gange selbst sind seitliche Nischen und Kammern (Weinfässerlager?). 

 

 

 Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1911, Band II, Heft 4, Teil 1, Seite 212 ff

 

DIE OSTSEITE

 

Nr. 40 (264): ehemaliges Brauhaus von 1546, fünf Spann lang, EG mit ZG und vorkragendem OG, Dreieckzier, die Fenster des zwei Spann breiten Erkers des I. Stockes mit Vorhangbogen, verkröpften Gesimsen, Türrahmen mit Vorhangbogen, Türflügel mit schönem Messingklopfer (Hund). Das Hinterhaus 1677 von Christoffer Henni Ohrmann errichtet.

 

Nr. 41 (265): sechs Spann lang, EG mit ZG und vorkragendem OG, wie Nr. 11 mit doppelter Schiffskehle, ein eigenartiges Ziermotiv des Überganges zur Renaissance (Bild 1). Prächtige, dreiflügige Rokokohaustür mit großem Oberlicht, Messingbeschläge einschließlich Griff, Schloß und Klopfer (Delphin, Bild 2). Das Hinterhaus ist erbaut laut Inschrift von:

 

BENJAMIN FVNCKE – MARIA ELISABETH MASSEN – 1687.

 

 Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1911, Band II, Heft 4, Teil 1, Seite 215/16 

Nr. 42 (266): einfach gotisch, fünf Spann lang, EG umgebaut.

Nr. 43 (267): wie Nr. 42, gotisch, unten erneuert; auskragendes OG.

Nr. 44 (268): vierstöckiges Haus von fünf Fensterachsen aus dem Anfang des 19. Jahrh. (ca. 1810 nach mündlicher Überlieferung errichtet), mit originellem, flachgeschwungenem Giebel. EG neu.  

Nr. 45 (269): im vorkragendem OG erhaltenes gotisches Haus von sieben Spann Länge, Dreieckzier in Konsolen und Schwelle.

Nr. 46 + 47 neu.

Nr. 48 (272): einfach, dreistöckig, drei Fensterachsen, Ende des 17. Jahrh. Erbaut.

 

Nr. 49 (273): neun Spann lang, EG nebst UG umgebaut mit vorkragendem OG, an ihm schwere Füllhölzer, ebenso am Dachgeschoß (Bild 1), wohl nach 1580 erbaut. Ursprünglich mit Spiegelquadern in den Pfosten, jonischen Pilastern, nach Lachner frühestes Vorkommen in Hildesheim, gleichzeitig mit denen der Domkurie von 1579, jetzt glatt, nur die Rollkonsolen erhalten.

 

 Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1911, Band II, Heft 4, Teil 1, Seite 

 

Nr. 50 (274): gotisches Haus von zehn Spann Länge, EG umgebaut, ZG und vorkragendes OG mit seitlich durchgehendem Erker. Einfaches Wappen über der in Resten vorhandenen Tür, links geschrägter Schild, gold und rot (Hildesheim). Von den Konsolen die letzte (neben dem Abfallrohr) mit Figur eines Bischofs (Bernward, Patron der Goldschmiede), die übrigen mit Zahnschnittleisten (Übergang zur Rollkonsole), Dreieckzier in der Schwelle.

 

Nr. 51 (275): Bau von elf Spann Länge, EG und ZG massiv umgebaut, vorkragendes OG, an schiefer Straßenflucht. In fünf Spann tiefen, acht Spann im Giebel breitem Hinterhaus eine sehr gut erhaltene, schöne Holzarchitektur (Bild rechts) mit glatten Ständern, reicher, mit doppelten Ährenstäben geschnitzter Schwelle, einfach geschrägtem Brustholz und ausgezeichneten Figuren unter den Dachbalken: St. Maria, St. Anna Selbdritt, St. Christoporus, St. Georg. An der Langseite fünf Figuren aus dem bürgerlichen Leben, darunter ein Fahnen- und ein Speerträger. St. Georg, als Patron der Ritter deutet auf ein Patrizierhaus, sodaß der hintere Ausbau als ehemalige Kemenate gedeutet werden könnte, worauf auch die Höhe des EG (ohne ZG) hindeutet.

 

Nr. 52 (276): zehn Spann langes Haus, mit umgebautem EG, ZG und vorkragendes OG, mit ursprünglich rundbogiger Einfahrt, Vorhangbogen in den Fenstern, einfacher Erker (Bild links). Brüstungen mit weiß übertünchten Fächerrosetten; Fries mit Wappenschilden, breiten ornamentalen, sehr gut verteilten Füllungen. Gutes Beispiel des Übergangstiles; in Art des Gasthauses zum (Goldenen) Engel. In dem linken Wappen im sechsten Feld der Schwelle ein Turm, darunter: 1546; rechter Schild glatt, Kreuz (?).

 

 Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1911, Band II, Heft 4, Teil 1, Seite 218 

 

Nr. 53 u. 56 neu.

Nr. 56 (früher Scheelenstraße 277): Haus der Brauergilde. Jetzt ein verschieferter dreistöckiger Bau, daneben ein im zweiten OG erhaltenes sieben Spann langes gotisches Haus mit Füllbrettern.

Nr. 58 (früher Scheelenstraße 279): ehemals gotisches Haus mit späterem Erkleranbau, der nur um den Vorsprung des OG auskragte, Kandelabersäulchen, seit 1909 Neubau.

Nr. 59 (280): neun Spann langes Haus, EG umgebaut, zwei OG erhalten. Gutes, auch in den Einzelformen hübsches Haus, 1880 umgebaut. An der linken vorspringenden Giebelseite Vorhangbogen in der Setzschwelle, in der Front sehr schön gezeichneter Rankenfries mit Stab (Bild). Übergangstil (ca. 1550). Rollwerkkonsolen. Fenster ursprünglich Vorhangbogen. Die Pfosten mit Spiegelquadern; die unberührte Rückseite mit schweren Holzprofilen.

 

Im Hinterbau Teile des anstoßenden Brandischen Hauses. Auf der untersten Schwelle, die anscheinend einer anderen Stelle entnommen ist, die Inschrift:

 

(COL)APSAM – RESTITVER – AMPLIAVERQ(QVE) – MDLII (1553)

 

(Das zerfallene (Haus) wiederhergestellt und erweitert)

 

 Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1911, Band II, Heft 4, Teil 1, Seite 218 

 

Nr. 60 (früher Scheelenstraße 281): Den jetzigen Abschluß der Osterstraße bildet das sehr interessante, ehemaliges Haus des bekannten Bürgermeisters Jobst Brandis.

 

Von dem ehemaligen bedeutenden Anwesen ist nur noch das Hinterhaus, die ehemalige Kemenate, vorhanden.

 

Im Erdgeschoß (Bild 1-3) liegt ein mit zwei rechteckigen Kreuzgewölben mit Hohlkehlenrippen überdeckter Raum, der durch ein Doppelfenster sowie ein Oberlicht über der Tür beleuchtet wird.

 

An der östlichen Schmalseite ist eine horizontal gedeckte Nische eingebaut, ehemals zu einem Kamin gehörig, mit der Inschrift: „Jost Brandes Anna Varhirher syn elige husf“; sowie zwei später beschriebene Wappen und die Jahreszahl 1562.

 

Das Erdgeschoß Bild 3) des zweistöckigen Baues ist in Quadermauerwerk ausgeführt. Die spätgotische, mit Rundstab profilierter Tür, trägt die unter dem Sims die Inschrift:

 

Anno domini M – d – lxii (1562)

 

In den äußeren Ecken des Unterbaues sitzen zwei Hausmarken; links geteilter Schild, oben halber Hirsch, unten drei (h) linke Schrägbalken, Wappen der Brandis, darüber und daneben die Inschrift: SOLI DEO GLORIA; rechts: Hausmarke, im Schilde das Initial der Frau: V H (Var-hirer) nebst Beischrift: IM MANTE IVNIO.

 

Diese Inschriften werden ergänzt durch die Angaben der Setzschwelle des jüngeren Obergeschosses, die sehr originell in den Verkröpfungen die Jahresbezeichnung, sonst aber den Bauherrn nennt. Sie lautet:

 

(IM) JOST BRANDES DER (IAR) ELTER BORGEMES-(DES)TER HENNI BRANDES (HE) SELIGER SON HEFT (REN) DVT ALLES NA TIDEN (15) GEBVWET VND HIR (84) MIT GESLOTET.

 

Das Obergeschoß ist im Charakter der frühen Hochrenaissance gehalten, mit verkröpften Gesimsen, Vorhangbogen in den Fenstersturzen und Rollwerkkonsolen. Die ehemalige Decke des oberen Saales ist jetzt herausgenommen und in das Kommissionszimmer des Rathauses eingebaut.  

 

Von sonstiger alter Einrichtung ist in diesem Geschosse nichts mehr erhalten. 

 

Quelle: https://www.hildesheimer-geschichte.de/topografie/strassen-pl%C3%A4tze-parks/osterstra%C3%9Fe/

Das Altdeutsche Haus in der Osterstrasse

Restaurant "Altdeutsches Haus"

Das 1604 als Wohnhaus errichtete Gebäude stand in der Osterstraße Nr. 7 (Eckhaus). Um 1880 wurde es in ein Wohn-/Gasthaus umgebaut. Unter den Nationalsozialisten wurde das Lokal Stammlokal der SS. Dort wurde unter anderem der Synagogenbrand vom 9.11.1939 beschlossen.

Das 4stöckige Eckhaus bildete mit einer Eigentümlichen Zusammensetzung von 3 Giebeln an der Ecke eine Besonderheit der Hildesheimer Gebäude.

Das Gebäude war mit reichhaltigem Figurenschmuck versehen. Die Abgebildeten 4 Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft wurden mit den lateinischen Namen Terra, Ignis, Aer und Aqua versehend, dargestellt. Ferner waren die Planeten Mond, Luna, Venus, Sol und Saturn, sowie zwei Krieger und verschiedene Tiere abgebildet.

Weiterhin waren 3 Relief-Darstellungen angebracht.

Im ersten Bild sah man einen Mann, ganz den Genüssen des Lebens hingegeben, er trinkt köstlichen Wein; da kommt plötzlich der Tod und rennt ihm eine Lanze in den Leib.

Im zweiten Bild sitzt ein Kind auf einem menschlichen Schädel und die Inschrift darunter lautete: „Hodi mihi, cras tibi“ (Heute mir, morgen dir).

Im letzten Bild befand sich im Hintergrund eine Kirche. In einer abendlichen Landschaft lag friedlich ausgestreckt ein alter Mann. Die abgelaufene Sanduhr aber hält er noch in der erkaltenden Hand.

Durch den Bombenangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 wurde das Haus völlig zerstört. Heute steht dort das Wohn-/Geschäftshaus Osterstraße 7 im Stil der 50er Jahre.

Hervorragender reich gegiebelter Bau aus dem Ende des 16. Jahrh.; zehn Spann lang; ursprünglich EG. und ZG mit vorkragendem OG.

Das Gebäude ist wunderbar gruppiert. Ein großer Giebelbau, sieben Spann Länge und mit 16 Spann Länge als Traufseite nach dem 1. Rosenhagen bildet den Hauptbauteil. An ihn schließt sich an der Ecke nach der Osterstraße an ein im ersten Obergeschoß beginnender drei Spann breiter Giebel von zwei Geschossen, dieser kragt mit drei Spann Breite nach dem Rosenhagen nochmals als ein sogenanntes Zwerghaus (Dachgaube) vor. Das Haus erhält durch diese Giebelanbauten ein überaus malerisches Ansehen, es ist in dieser Hinsicht das eigenartigste Werk, das die Hildesheimer Holzbaukunst geschaffen hat.

Leider ist das Innere des Hauses total umgebaut, lediglich aus den Fenstern des Unter-geschosses läßt sich noch feststellen, daß eine Diele hinter der Tür und unter dem Erkerbau lag, während links vom Eingang ursprünglich ein Zwischengeschoß angeordnet war.

Das Erdgeschoß ist durch Einbau einer Wirtschaft und Erhöhung der Fenster stark geändert. Als Pfosten dienen auf der linken Hälfte korinthische Kandelabersäulen, über denen Bandwerk und Reste weggeschnittener Gesimse das ehemalige Zwischengeschoß andeuten, während rechts in sieben Spann Länge alle Kandelabersäulen schlank durchgehen. Die wieder verwandten weggeschnittenen Setzschwellen und Füllbretter des ehemaligen ZG, sind über den Stürzen der erhöhten Fenster wieder eingepaßt. Der ursprüngliche Zustand hat sich nur über der Tür erhalten.

Der bildnerische Schmuck des Hauses ist sehr reich. Als Zyklus ist in den drei linken Brüstungsfeldern des Erdgeschosses dargestellt „der Tod und die Lebensalter“; links ein lebensfroher Jüngling den Becher in der Hand, vom Sensenmann ereilt; die Jugend in der Mitte: die Personifikation des Todes, als Mann mit Totenschädel und Sanduhr, zur Seite und Beischrift: HODIE / MIHI / CRAS / TIBI; rechts: ein ruhender Mann mit Becher (das Alter).

Reiche Konsolen, von denen die über der Haustür mit einer kauernden Männergestalt bemerkenswert ist, stützen das auskragende Obergeschoß. Seine Setzschwelle enthält roh gezeichnete Flachornamente, meist stilisierte Tiere usw. In den Brüstungsplatten des OG sind die sieben Gestirne in nachstehender Darstellung (ohne Beischrift) wiedergegeben: Saturn (als Planet, ein Kind verschlingend), Mars (als Krieger), Jupiter (als wachsamer Soldat vor einem Festungstor postiert), Venus (mit Pfeil und entflammtem Herzen), Luna (mit der Mondsichel in der Hand), Merkur (mit Merkurstab).

Im darüber stehenden Geschoß des Hauptgiebels zeigen die Brüstungsfelder drei Allegorien, deren Sinn schwer zu deuten ist, sowie einem Löwen, darüber im zweiten Geschoß freie Kompositionen wie Hirsch, Mann und Weib mit Fischschwänzen (Grotesken!).

Das erste Hauptgeschoß ist in der Brüstung reich geziert mit zwei Gesimsleisten, die unten mit Rundstab mit gut gezeichneten Blättern, oben als doppelte Zahnschnittleisten ausgebildet sind. Von solchen Zahnschnittleisten laufen stetes zwei, die eine in Oberkante Setzschwelle, die andere in Oberkante Fensterbrüstung in den übrigen Geschossen des Hauses durch, so daß die Wiederholung dieses Ziermotivs dem Ganzen einen zwar lebhaften, aber auch etwas überladenen Charakter verleiht.

Als Stützen dienen im ersten OG schön gezeichnete Hermen.

Das unterste Erkergeschoß zeigt in den Brüstungen die Reliefbilder von TERRA, IGNIS und AER (letztere in einem Luftschlitten fahrend), sowie einen Mann, der ein Schiff in der Hand trägt, wohl eine Anspielung auf den Erbauer (Handelsherr?). Das zweite Erkergeschoß zeigt die Personifikation von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, darüber ähnliches Ornament wie im Hauptgiebel. Das Zwerghaus nach dem 1. Rosenhagen ist unten mit der Mäßigkeit (Jüngling mit Becher), Hirsch; oben mit zwei Hirschen und im Giebeldreieck mit der Eule (Weisheit) geziert.

An der weit ausladenden Ecke nach dem Rosenhage sitzen originelle Konsolen, Mannesköpfe, der untere gekrönt mit Ring im Maul (Anspielung auf „cave canem“=Warnung vor dem Hund), der obere mit in zwei Rollen aufgelöster Zunge.

Nach dem 1. Rosenhagen zu, ist ein altes Butzenscheibenfenster noch erhalten.

Quelle: https://www.hildesheimer-geschichte.de/das-%C3%B6ffentliche-leben/essen-trinken-und-%C3%BCbernachtung/altdeutsches-haus/

Der Elberfelder Hof in der Osterstrasse

Elberfelder Hof

Das 1546 errichtete Gebäude stand in der Osterstraße 52.

Der Elberfelder Hof zeigte schöne Schnitzereien im Stile der deutschen Frührenaissance.

Besonders sehenswert war der durch eine Durchfahrt zu erreichende Seitenflügel im Hof. Er hatte herrliche Schnitzereien auf den Schwellen und Kopfbändern, die etwa aus der Zeit um 1530 stammten.

Am 22.3.1945 durch alliierte Bomber zerstört.

Heute steht an der Stelle wieder eine Gaststätte mit dem Namen „Elberfelder Hof“.

Die Rosenhagen, im St. Georg Viertel

  •   1. (vorderster) Rosenhagen
  • 2. (mittlerer) Rosenhagen
  •  3. (hinterster) Rosenhagen


Als Straßenname zuerst 1322 bezeugt. Benannt nach einem Gehege wilder Rosen.
In dem nordöstlichen Teil der mittelalterlichen Altstadt gab es drei Rosenhagen: den vorderen, mittleren und hinteren ("echten") Rosenhagen. Sie verliefen parallel der alten Stadtmauer von West nach Ost. Später wandelten sich die Namen in die nüchternen Zahlwörter erster, zweiter und dritter Rosenhagen.

1934 wurden der erste Rosenhagen in Bei St. Georgen und der dritte in Hinter dem Schilde umbenannt. Der zweite behielt den einfachen Namen Rosenhagen.

Nach der Zerstörung des Stadtkerns 1945 wurden zwei dieser drei Parallelstraßen um 90° in Nord-Süd-Richtung gedreht um den an ihnen zu erbauende Wohnhäusern bessere Lichtverhältnisse zu verschaffen.

Der frühere dritte Rosenhagen behielt seine Lage und seinen neuen Namen "Hinter dem Schilde"; ein Teil des zweiten Rosenhagens, für den 1935 der Name Gerberstraße eingeführt war, wurde östliche Parallelstraße der Almsstraße. Die westliche Parallelstraße zur Osterstraße erhielt den Namen Bei St. Georgen und die mittlere Parallelstraße 1950 den Namen Rosenhagen.

(Im Original übernommen)
1. (vorderster) Rosenhagen
Allgemeines

 Zur Georgiibäuerschaft gehören: Nr. 1-15, Nr. 20-28; zur Jakobibäuerschaft gehört Nr.29.
Beschreibung

Nr. 1 (früher 145-46): sieben Spann lang, Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß; Dreieckzier in den Schwellen, kleiner Erker im linken Feld des Zwischengeschosses.

Nr. 7 (152): Der Bau selbst neu, alt dagegen das von ihm aus zugängliche Eckhaus nach der III. Querstraße. Ein schönes gut erhaltenes Werk der Frührenaissance von 1552 laut Inschrift im Sturz des Kellerhalses. Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß. Vier Spann lang nach dem Rosenhagen und sechs Spann lang nach der III. Querstraße, und nach ebenda vorkragendem Giebel. Die Obergeschosse zeigen Vorhangbögen in der Schwelle, große Rosetten in den Brüstungen, Konsolen mit gedrehten Schnüren (Bild 1).

Nr. 10 (155): ein zehn spann langer Bau aus Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß bestehend; mit spitzbogigem Hauptportal mit überschnittenen Profilen aus Hohlkehlen und Rundstäben, im oberen Teil gut erhalten (Bild 2); typisch gotischer Bau mit dreieckzier, unter den Konsolen kleine Auflager aus dem vollen Pfostenholz herausgearbeitet.

Nr. 11 (156): Renaissancebau, sieben Spann lang; Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und wenig auskragendem Obergeschoß; aus älteren Resten eines Hauses aus der Mitte des 16. Jahrhunderts umgebaut. Spiegelquader in den Pfosten.

An der Nordseite des ersten Rosenhagens bietet ein zu Jakobistraße 12 gehörendes Hinterhaus das wohlerhaltene Beispiel eines noch unveränderten gotischen Hauses aus Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß, letzteres – wie ursprünglich alle Häuser – noch als Speicherboden mit Holzläden ausgebildet. Konsolen mit Dreieckzier, Rest einer spitzbogigen Tür.

Das Nachbarhaus (Hinterhaus zu Jakobistraße 5) zeigt an der Schlagleiste die Jahreszahl ANNO 1775.

Nr. 6 (151): ist ein dreistöckiger Fachwerkbau von acht Spann Länge aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

(Im Original übernommen)
2. (mittlerer) Rosenhagen
Allgemeines

Zur Georgiibäuerschaft gehören: Nr. 1 – 27; zur Jakobiibäuerschaft gehören: Nr. 29 – 38.
Beschreibung

Das stattliche Haus Ecke III. Querstraße mit Eingang von dieser ist acht Spann lang, mit massiv erneuertem Erdgeschoß, sowie auskragendem Obergeschoß und Giebelgeschoß; Vorhangbogen in der Setzschwelle des ersten, gezierte Konsolen. Bauzeit:  Mitte 16. Jahrhundert.

Nr. 4 (früher 197): 3 Spann lang; Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß: mit Rollwerkkonsolen, Zahnschnittleisten an der Setzschwelle, Brüstungsleiste aus Viertelkreisprofil und Blattfries.

Nr. 5 (198): Ein größerer, gotischer Bau, acht Spann lang; Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß. Dreieckzier in den Konsolen und der Setzschwelle, letzere mit durchlaufendem Stabprofil. Die Konsolen sind auf ein deutlich erkennbares aus dem vollen Holze des Ständers gearbeitetes Konsölchen (siehe Bild 3) gelagert. Der jüngere, verstümmelte Erker mit Konsol- und Zahnschnittfriesen, die Balken unter dem Vordach mit gedrehten Stäben und Konsolen; kleine Spiegelquader auf den Sparrenköpfen und Eckkonsolen. Bauzeit um 1600.

Nr. 10 (203): Vier Spann breit, ursprünglich länger und teilweise zerstört durch den Durchbruch der 3. Querstraße. Erdgeschoß und Zwischengeschoß, vorkragendes Obergeschoß; ausgezeichnete Schnitzarbeit in der Schwelle des letzten durch ein Flechtverband, das Brüstungsgesims originell durch Bänder, die auf den Pfosten in Dreiecksform (siehe Bild 3) die Horizontale unterbrechend, hübsche, einfache Konsolen. Ein Rest des Torbogens zeigt noch Profile aus geschuppter Rundleiste und gewundenen Hohlkehlen und Rundstäben. Am abgerissenen Teile dieses von 1565 stammenden Hauses stand die Inschrift:

Dorch dinen hillgen dodt leve ick

Und werde nicht sterven evichlich

Diner upperstanding erfreie ick mich

Das fordreusch dem satan sekerlich

Bede(n)ke di(n) ende so werst du nummer quadt ta

Nr. 17 (210): ein sechs Spann langes, dreistöckiges Haus, mit Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß. Mit Rollwerkkonsolen von schöner Form. Spiegelquadern in der Brüstung, sowie zwei Wappen nebst Inschrifttafeln über der Mitte mit Ornamentresten des sogen. Metallstiles, schlecht erhalten. Bauzeit Ende des 16. Jahrhunderts.

Das ehemalige Haus Nr. 23 (167), 1611 errichtet, trug auf einem zwei Meter langen Kaminsturz mit dem Wildefuerschen Wappen die Inschrift:

I PETRI 5V6

HVMILIAMINI SVB POTENTI MANV DIE, VT VOS

EXKALTET IN TEMPORE VISITATIONIS OMNEM

SOLICITVDINEM VESTRAM PROIJCIENTES IN EVM

QVONIAM IPSI CVRA EST DE VOBIS.

Es war das Haus der Familie Wildefüer. Der Kamin entstammt daher dem vor 1611 hier stehenden Hause des Bürgermeisters Hans Wildefüer.

Nr. 25 (169): ein charakteristisches Häuschen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; zweistöckig, vier Fensterachsen, mit schöner Tür mit Oberlicht und frei behandelten Pilastern an der Umrahmung.

Nr. 26 (170): fünf Spann lang, Erdgeschoß mit Zwischengeschoß und auskragendem Obergeschoß. Füllhölzer mit Schiffskehle. Bauzeit Ende des 16. Jahrhunderts.

(Im Original übernommen)

Text-Quelle:

 Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 198f

3. (hintester) Rosenhagen
Allgemeines

 Der 3. Rosenhagen, 1322 erstmals erwähnt, fand sich zu 2 Bäuerschaften zugehörig:

Zur Georgiibäuerschaft gehörten die Häuser Nr. 1, 3, 22-24, 33, 34, 36-38. Zur Jakobibäuerschaft gehörten die Häuser Nr. 5-21, 25-32.
Beschreibung

 Nr. 7 (früher 232): Untergeschoß mit Zwischengeschoß, ein mit Konsolen auskragendes Obergeschoß mit Schiffskehle in der Schwelle. Der Giebel des 1542 errichtetem Gebäudes wurde ohne Auskragung errichtet. Besonders interessant war die Ausbildung des Eckständers mit 3 Kopfbändern und die Fenstersprossenteilung. Bei diesem Frührenaissancehaus waren besonders der Vorhangbogen auf der Schwelle und die Rosetten oder Fächer in den Füllungen zu beachten. weiterhin die Seilstäbe auf dem schwach geschwungenen Kopfbändern.

Nr. 8 (früher 233): Baustil wie Nr. 7; Mit Inschrift: - Jost Günter – Sophie Wetelart 1571 – in gotischen Minuskeln. Reste einer gotischen, spitzbogigen Pforte erhalten.

Nr. 9 (früher 2324): Baustil wie Nr. 7; Charakteristisch durch die trotz der Spätzeit noch gotische Behandlung der Zier durch schräg eingestochene Linien (siehe Bild 3).

Nr. 12 (früher 247): Baustil wie Nr. 7 mit guter Biedermeiertür.

Nr. 21 (früher 248): Baustil wie Nr. 7; Erdgeschoß umgebaut, mit Dreieckzier in Schwelle und Konsole

Dem gleichen Stile gehörten die typischen Ackerbürgerhäuser (Buden) Nr. 9, 12 und 21 an.

Das um 1876 abgebrannte Haus Nr. 36 (früher 227) von 1616 war diesem Schicksal schon früher einmal verfallen und der Eigentümer ließ damals die launige Inschrift anbringen:

Datt vorige Hus hett meck gott beschwert

Aber dat fuier hat mirs verteret anno 1616

Noch habe ick gott vertuwet

Und dut huß nige (nicht nie) wedder buet.---

(Im Original übernommen)

Quelle:https://www.hildesheimer-geschichte.de/topografie/strassen-pl%C3%A4tze-parks/rosenhagen/

Das Ostertor

Das Ostertor

 

Das 1277 erstmals erwähnte Ostertor führte nach der Chaussee nach Braunschweig.

 

Das war 1829 noch nicht abgerissen.

 

Am Tor sah man in drei Nischen nebeneinander die heilige Jungfrau zwischen St. Bernward und St. Godehard.

Die Befestigung der Altstadt

Wann die im Plane von 1769 dargestellte, von der Domburg quer durch den vorderen Brühl bis zur Mitte des Terrains zwischen dieser und der Wollenweberstraße führende Mauer erbaut wurde, ist schwer festzustellen. Sie trägt in einem Rest nach der Paulinerstraße ein frühgotisch behandeltes Schild, könnte also schon bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Eine valva Brulonis kommt zwischen 1240-1270 vor, später, im Plane von 1769 heißt das Tor „Pulverturm“.

 

Die Befestigung der so entstandenen östlichen Hildesheimer Altstadt wurde am Anfang des 12. Jahrhunderts gelegentlich der Fehde mit der Dammstadt und um die Mitte des 14. Jahrhunderts bedeutend verstärkt.

 

Schon 1328 wird das Almsstor im Auftrage des Rates abgebrochen und neugebaut, ein äußerer Graben und ein Doppeltor errichtet, der äußere Graben von der Innerste bis zum Hagen- und Almsstor erweitert (1443). Ein zweiter (neuer) Graben wurde 1345 zwischen Ostertor und Kreuztor angelegt (novum quoddam fossatum juxta vetus fossatum orientale).

 

Am Hagentor, Almstor und Ostertor waren doppelte Toranlagen, sogenannte Waffenplätze; das heißt, es bestanden zwei Torhäuser, ein innerer größerer Stadtturm – der Bergfried – und ein äußeres kleineres Torhaus. Bei Ausfällen konnte eine kleine Mannschaft sich zwischen beiden sammeln, ohne daß beide Tore offen sein mußten.

 

Der äußere Graben trug den Namen Hograve (unsern egen upworpe unses graven, de Hograve geheten is – wie es in der Gegenschrift auf die Klage des Bischofs Magnus von 1440 heißt).

 

Auch an dem Eselstieg (heute Friesenstraße) wurde damals eine Verstärkung vorgenommen. Ein bergfrede dat Vresentor gehesen mit einer Straße davor, dem Eselstiege, wird 1439 erwähnt; 1440 ließ der Rat, um sich gegen Belästigungen der Neustädter zu schützen, vor diesem Tore zingeln (d. i. Palisaden) an einer Mauer davor anbringen.

 

Merian zeichnete 1653 eine erst 1571 umgebaute Anlage.

 

Text-Quelle:            (1) A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 12f

Quelle: https://www.hildesheimer-geschichte.de/das-wehrhafte-hildesheim/stadtbefestigung/