Die Befestigung der Altstadt

Wann die im Plane von 1769 dargestellte, von der Domburg quer durch den vorderen Brühl bis zur Mitte des Terrains zwischen dieser und der Wollenweberstraße führende Mauer erbaut wurde, ist schwer festzustellen. Sie trägt in einem Rest nach der Paulinerstraße ein frühgotisch behandeltes Schild, könnte also schon bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Eine valva Brulonis kommt zwischen 1240-1270 vor, später, im Plane von 1769 heißt das Tor „Pulverturm“.

Die Befestigung der so entstandenen östlichen Hildesheimer Altstadt wurde am Anfang des 12. Jahrhunderts gelegentlich der Fehde mit der Dammstadt und um die Mitte des 14. Jahrhunderts bedeutend verstärkt.

Schon 1328 wird das Almsstor im Auftrage des Rates abgebrochen und neugebaut, ein äußerer Graben und ein Doppeltor errichtet, der äußere Graben von der Innerste bis zum Hagen- und Almsstor erweitert (1443). Ein zweiter (neuer) Graben wurde 1345 zwischen Ostertor und Kreuztor angelegt (novum quoddam fossatum juxta vetus fossatum orientale).

Am Hagentor, Almstor und Ostertor waren doppelte Toranlagen, sogenannte Waffenplätze; das heißt, es bestanden zwei Torhäuser, ein innerer größerer Stadtturm – der Bergfried – und ein äußeres kleineres Torhaus. Bei Ausfällen konnte eine kleine Mannschaft sich zwischen beiden sammeln, ohne daß beide Tore offen sein mußten.

Der äußere Graben trug den Namen Hograve (unsern egen upworpe unses graven, de Hograve geheten is – wie es in der Gegenschrift auf die Klage des Bischofs Magnus von 1440 heißt).

Auch an dem Eselstieg (heute Friesenstraße) wurde damals eine Verstärkung vorgenommen. Ein bergfrede dat Vresentor gehesen mit einer Straße davor, dem Eselstiege, wird 1439 erwähnt; 1440 ließ der Rat, um sich gegen Belästigungen der Neustädter zu schützen, vor diesem Tore zingeln (d. i. Palisaden) an einer Mauer davor anbringen.

Merian zeichnete 1653 eine erst 1571 umgebaute Anlage.

Text-Quelle:            (1) A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 12f

Der "Hohe Wall"

Der „Hohe Wall“ ist ein ehemaliger Stadtwall. Er verläuft auf der Anhöhe über dem „Liebesgrund“.
Der Bau des „Hohen Walls“, aus dem Tagebuch des Joachim Brandis (8/1582):

„In der Viehtrift (heute: Schützenallee) wurde im August das eingefallene Stück an dem Rondell  hinter St. Michael  mit schwerer Arbeit und großen Unkosten wiederhergestellt und durch einen fremden Meister aus den Niederlanden, hieß Meister Jost N. (hier irrte sich Brandis; der richtige Name war Johan Jostes). Er war damals Baumeister von Braunschweig. Unter dem Wall sind lange Pfeiler eingemauert, zwischen den Pfeilern sind lange Hölzer nebeneinander quer gelegt und jeweils eine Schicht Reisigbündel besonders dazu gebunden, und so geht es fort, umschichtig eine Schicht Hölzer und eine Schicht Reisigbündel.

Von den Pfeilern ist der Länge nach eine starke Mauer im Grund gezogen, auf der die Brustwehr (des Walles) steht. In der Mauer sind Löcher, damit das Wasser, das vom Walle durch die Hölzer und Reisigbündel hindurchsickert, abfließen kann. Die Mauer steht im Grunde dem Walle zum Schutz da, so daß es also ein starkes Werk ist“.

Text-Quelle:
- Literatur
F. Borgmeyer, "Führer durch Hildesheim", Verlag F. Borgmeyer Hildesheim 1920, Seite 78

Kehrwiederturm:

 

Der Kehrwiederturm in der Hildesheimer Keßlerstraße ist der letzte erhaltene (Neben-)Turm der Hildesheimer Stadtbefestigung.   

Der aus Bruchsteinen erbaute Turm hieß zunächst Honser Tor nach dem in der Nähe gelegenen Dorf Hohnsen.   

Der Sage nach verdankt er seinen jetzigen Namen dem Umstand, daß der Klang seines Geläuts einem adligen Fräulein, welches sich im angrenzenden Wald verirrt hatte, den Heimweg zeigte. Zu dem Zweck, den Bürgern, die sich außerhalb der Mauern aufhielten, heimzuläuten, war der Turm tatsächlich mit einer Glocke ausgestattet, die später in die nahe Lambertikirche überführt wurde. Der Name kann jedoch auch von der fast rechtwinkligen Kehre des Walls unterhalb des  

Turms abgeleitet werden. Deshalb hieß der Turm an dieser Stelle "Kehrwehr", woraus dann, weil man das nicht mehr verstand, seit etwa1660 -  im Volksmund "Kehrwieder" wurde und diesen Namen auch bis heute behalten hat.  

Über das Datum der Errichtung gibt es widersprüchliche Angaben. Teilweise wird das Jahr 1456 genannt, nach anderen Quellen wurde er um 1300 erbaut.   

Zuletzt im Jahre 1982 renoviert, wird der Turm heute vom Hildesheimer Kunstverein als Domizil und für Ausstellungen genutzt. Daneben bietet das Hildesheimer Standesamt Trauungen im Turm an.

Schweineturm

Der Schweineturm, oder auch "Brunsturm" genannt, befand sich im Bereich des Ostertores an der Einumer Straße.

1632 wurde er im Zuge des Abrisses der Sülteruine - die schon zuvor vom Feind zerstört wurde – während des

30-jährigen Krieges niedergelegt, um dem anrückenden Feind keine Deckungsmöglichkeiten zu geben.  

 

http://lexikon.unserhildesheim.de/Schweineturm.html

Pantaleonsturm

Der Turm war Teil der westl. Stadtbefestigung . Er stand an der Dammstraße, etwa in Höhe des heutigen Stadtarchivs (Haus der Landschaft).  

 

http://lexikon.unserhildesheim.de/Pantaleonsturm.html

Weit wichtiger als Mauertürme und Bergfriede waren indes diejenigen Türme, deren Aufgabe in der Verteidigung der großen Stadteingänge bestand.

Noch vor Ablauf des 14. Jahrhunderts waren, wie es scheint, sämtliche größeren Tore durch den Neubau eines äußeren Tores verstärkt worden. Schon 1370 wird von einem „vordersten“ Almstore, 1382 von zwei Ostertoren, 1398 von einem „äußeren“ Hagentore gesprochen, und da der Rat 1288 die Stadtmauer bis an das Innersteufer hinaus vorschob, so wird wohl das alte Pantaleonstorbereits damals ein „äußeres“ Tor zur Unterstützung erhalten haben, obwohl das „Dammtor“ erst 1383 urkundlich genannt wird.

Um und bald nach 1400 wird das Heiligkreuztor in der Nähe des heutigen Pelizäusplatzes durch Außenbauten verstärkt. Denn seit jenem Jahre sperrte ein „Eselstiegtor“ den Eingang aus der Neustadt, wird kurz danach ein neues „Friesentor“ genannt und endlich 1439 weit vorwärts anstelle eines Bergfrieds dort, wo die Gartenstraße von der Goslarischen abzweigt, noch ein zweites Friesentor.

Als eigentliche Haupttore galten dabei das Hagen-, Almers-, Oster-, Dammtor und das Tor im Eselstiege. Neben ihren, die dem großen Verkehr dienten, und dem Brühltore gab es noch einzelne Mauerdurchlässe oder „Pforten“, so eine Fischpforte, die Kuhpforte, eine Wasserpforte  und die Süsternpforte.

An der Neustädter Grenze gegen die Altstadt lag ein „Kempentor" und mag ein Durchlass aus der Wollenweberstraße nach dem Godehardikloster gewesen sein.

Als mächtige Bauten ragten vor allem diejenigen Tore empor, durch die der Fremde in die Stadt einzog. Aus sorgsam behauenen Quadern türmte sich der Bau in mehreren Geschossen empor. Das Dach war mit Schiefer oder Blei gedeckt, während die Krönung des ganzen ein Banner in den Stadtfarben oder eine Wetterfahne - "Windfeder" - bildete.

Die einzelnen Türme zeigten außerdem verschiedenen bildlichen Schmuck.

Türme(Stadtbefestigung)

„Die Stadtmauer krönte ein Kranz von Türmen, von wo aus man anstürmende Feinde in der Flanke mit Geschossen überschütten konnte.    

 

Um sie aber auch in Friedenszeiten nutzbar zu machen, wurden diese Bauten schon früh zu Wohnzwecken vermietet. Oft waren die Bewohner ein verheirateter städtischer Söldner oder ein unterer Angestellter, der in diesem Fall die Wache auf dem Turme auf sich nahm. Doch wurde auch sonst hier Bürgern ein Obdach geboten.    

 

Ihre Namen bekamen die Türme gern nach ihren Bewohnern, andere wieder hießen nach angesehenen Familien, die entweder unweit davon ihre Häuser hatten oder auch wohl für den Ernstfall die besondere Verteidigung des Turmes übernommen hatten. So führten ein „Sparkenturm“, ein „Klarenturm“ und ein Turm „Ludwig Helmersen“ ihre Namen offenbar nach Bürgersippen, der „Saldernturm“ aber nach dem bekannten Rittergeschlecht, das in der Nähe wohl ein Stadthaus hatte.    

Ein „roter Turm“ an der Nordostfront erinnert wahrscheinlich weniger an die Farbe seines Gesteins, als daran, daß man in diesen Türmen bisweilen dem Tode geweihte Verbrecher oder sonstige Gefangene verwahrte, während die Bezeichnung „Vogelsang“ wohl eine Huldigung an unsere gefiederten Sängerschaft darstellen sollte, die sich in der Nähe des Tores hören ließ. Ein „Kuhturm“ diente der besonderen Bestimmung, daß man dort in Fehdezeiten die Sicherheit des Weideviehes überwachte und später hieß auch ein Turm unfern des Ostertores der „Schweineturm“ und ein anderer „Schäferturm“.    

 

In Wettbewerb mit den Mauertürmen treten die hochragenden Bergfriede, die vor allem eine weite Ausschau gewähren sollte. Ihre Zeit war vornehmlich wohl das 13. und das 14. Jahrhundert, während sie schon im 15. Jahrhundert in Abgang kamen.    

Zum großen Teile lagen sie, wie der „lange Bergfried“ an der Süsternpforte und ein anderer auf der Dammbrücke, hart an der Stadtmauer. Doch werden auch noch „auf dem Steinen“ und selbst im Kerne der Stadt, in der Judenstraße, beim Marktbrunnen und auf dem Andreaskirchhofe Bergfriede erwähnt, die also der Zeit der ältesten Ummauerung unseres Marktes ihren Ursprung haben werden.“    

 

J. Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim, August Lax 1922, Hildesheim, Bd. I, S. 85

Das Hagentor
Das Hagentor
Das Ostertor
Das Ostertor


Im Bereich zwischen der Domburg und der Klosterkirche und Gottesburg St. Michaelis, welche zum Michaeliskloster gehörte und von Bischof Bernward 1010 erbaut worden war, lagen, in der Epoche des Hochmittelalters, die Höfe und Besitzungen der bischöflichen Ministerialen, welche dem Bischof zu Diensten waren.
Kleine, zumeist befestigte Höfe mit vielleicht einem steinernen Turm, von wo aus die Ministerialen ihre Herrschaft ausübten. Viele der Ministerialen hatten natürlich rund um Hildesheim weitere Besitzungen, die sie verwalteten.

 

In den späteren Jahrhunderten, ab dem 13. Jahrhundert strömte die Landbevölkerung zunemhens in die Städte, so auch in Hildesheim. Die Ministerialen verkauften nach und nach ihren Grundbesitz iunerhalb der Stadtmauern und die Bebauung in diesem Arial wurde dichter.
Der Straßennahme Alter Markt deutet auf die erste dichtere Besiedlungsphase hin.

Der Alte Markt

Text- und Bildquelle:

A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4: Bürgerliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 315-321

Falls Texte/Bilder aus anderen Quellen vorhanden sind, sind diese gesondert angegeben.
Geschichte

Diese ursprüngliche Hauptverkehrsader der Ansiedlung außerhalb der Domburg wird zum ersten Male erwähnt als antiquum forum 1231; ein Tor im Altemarkt nach der Bischofsmühle zu 1340.

Die Straße unterstand einem Vogt; als einer der ersten tritt Lippold de Veteri foro auf. Später, im Anfang des 15. Jahrhunderts wird ein Niederer und Oberer Altemarkt unterschieden.

Zur Hagenbäuerschaft gehören die Häuser Nr. 1-30, 61-80, zur Lapidisbäuerschaft Nr. 17-43, 44-60.

Diese Straße wurde erstmals 1146 bezeugt, als sich der Mittelpunkt des wirtschaftlichen Lebens auf den heutigen „Andreasplatz", die Umgebung der romanischen Andreaskirche verschoben hatte.

Der „Alte Markt“ ist ein Teil der alten West-Ost-Handelsstraße vom Rhein zur Elbe, an der sich der „Wik“ Hildesheim im 8. Und 9. Jahrhundert entwickelte; er wird ursprünglich nur einzeilig bebaut gewesen sein.

Der Verkehr der reisenden Fernhandelskaufleute, die hier einen Rastplatz (Wik) auf dem hochwasserfreien Ufer der Innerste hatten, dürfte die Veranlassung dafür gewesen sein, daß Ludwig der Fromme 815 das von seinem Vater Karl der Große in Elze gegründete Bistum nach Hildesheim verlegte, und zwar auf einen Hügel hart südlich des Straßenmarktes, wo später der Dom entstand.

Der Wik (am „Alten Markt“) ist also die Keimzelle Hildesheims.

Beschreibung

 Das Ende der Eckemeckerstraße, gleich rechts vom sogenannten Schauteufelkreuz, birgt noch ein prächtiges an der Gartenseite noch unverändertes Holzhaus (Bild rechts), das ehemalige Rektorenhaus des Andreanums. Die Giebelseite nach dem Garten (Rückseite) ist sieben Spann lang, EG mit zwei auskragenden OG, kein ZG. Glatte Pfosten mit Rollkonsolen. Die Schwellen mit ganz flachgehaltenen Schiffskehlen, die Füllbalken des Erdgeschosses Schiffskehlen, des ersten Stockes Wulste mit eierstabartigen Zier, im Dachgeschoss nur Konsolen. Die Brüstungen haben glatte Bohlenbretter, einige davon mit feinem Flachornament geziert; kleine Konsölchenleisten in Brustholzhöhe. Das Haus ist angeblich 1660 (?) errichtet. Eine Inschrift im Garten nicht mehr vorhanden. Die Straßenseite mit Blechplatten verkleidet.

 Der Altemarkt enthält das älteste Haus Hildesheims:

Nr. 54 (1516). Neun Spann lang, EG mit ZG, vorkragendes OG. Der Grundriß (Bild unten links) ist der typische eines Ackerbürgerhauses. Die drei hinteren Räume gehören zu einem jüngeren Anbau. Eine Durchfahrt führt rechts zum Hofe. Ursprünglich war sie größer; ein mächtiger Unterzug, der auf einem Pfosten ruht, stützt ihre Decke. Die ursprüngliche Treppe ging an einer ähnlichen Stelle wie jetzt in die Höhe, um vom Podest aus die Kammern des Zwischengeschosses sowie den vorkragenden ersten Stock zu erreichen. Auf dessen Ständern ist die Jahreszahl: m ∙ c ∙ c ∙ c ∙ c ∙ x ∙ vii (1418) eingestochen. Das weit ausladende Obergeschoß hatte ursprünglich einfach profilierte Knaggen, die jetzigen Zierteile davor sind neu (Bild unten rechts).
 [-] Das bis zu seiner Zerstörung als älteste datierte Fachwerkhaus Deutschlands, war das Hildesheimer Ackerbürgerhaus am Alten Markt 54 aus dem Jahre 1418.

Man konnte es insofern als den Typus des niedersächsischen, speziell Hildesheimer Wohnhaus bezeichnen, als aus ihm einerseits Rückschlüsse auf die Behausung der vorchristlichen Zeit möglich waren, andererseits, weil es im Prinzip die Elemente der Abarten hatte, die die etwa 500 alten Fachwerkbauten in Hildesheim bis zu ihrer Zerstörung aufwiesen. Konstruktiv gesehen ging es auf das Einraumhaus zurück, womit man annehmen konnte, daß die niedersächsische Behausung ursprünglich ein einziger überdachter Raum gewesen ist.

Beim Betrachten des Hauses fielen vor allem die große Einfahrt und das stark vorspringende Obergeschoß auf. Mit dem Torweg, der hoch und breit genug war, einen Erntewagen hindurch zu lassen, charakterisierte es sich als mit der Scholle besonders verbunden.

Das Vorkragen des Obergeschosses war ein dem niedersächsischen Fachwerkhaus eigenes Merkmal und belebte seine Fassade ungemein. Doch schien diese reizvoll wirkende Bauweise nur die Notwendigkeit der Raumersparnis zugrunde gelegen haben. Zwischen dem Unter- und Obergeschoß entstand infolge der großen Höhe der Durchfahrt, die sonst eine unwirtschaftliche Höhe der neben ihr liegenden Zimmer zur Folge gehabt hätte, das Zwischengeschoß.

An den Ständern des Obergeschosses sah man die Jahreszahl seines Entstehens 1418 in großen gotischen Lettern und ein Ornament in der Form eines Kleeblattes, das die gotischen Kirchenfenster entliehen zu sein schien.

 Die übrigen Gebäude des 15. Jahrhunderts im Altemarkt sind teils kleine Häuschen, wie

Nr. 69 (1696), vier Spann lang;

Nr. 72 (1699), drei Spann lang, und

Nr. 78 (1717), fünf Spann lang, alle mit EG und ZG sowie auskragendem OG.

Nr. 67 (1694), vier Spann lang, sonst wie die vorhergehenden, hat ein (jüngeres) zweites OG.

Von größeren Bauten dieser Epoche sind zu nennen:

Nr. 14 (1277), sechs Spann lang, umgebautes EG, vorkragendes OG mit gut erhaltenem Torbogen, sowie das Nachbarhaus

Nr. 15 (1278), neun Spanne lang, umgebautes EG, mit zwei auskragenden OG, der größte gotische Bau des Altemarktes. Alle genannten Bauten mit der typischen Dreieckzier in Setzschwelle und Konsolen.

Im Straßenteil westlich der Burgstraße sind zu nennen:

Nr. 49 (1511), ein fünf Spann langes zurückspringendes Haus mit EG, ZG, vorkragendes OG und vorkragendem glatten Giebel. Eine Ausnahme im Straßenbilde, da alle anderen Bauten mit der Frontseite an der Straße stehen.
Dem 16. Jahrhundert gehören sodann an mehreren Häusern mit flachen Schiffskehlen in der Schwellen; so

Nr. 39 (1546), gegenüber dem Platze St. Magdalena, fünf Spann lang, (umgebautes) EG mit ZG, vorkragendem OG mit umgebautem Erker durch alle Geschosse, der oben drei Füllungen mit: JVSTITIA, CARITAS und TEMPERANTIA enthält; die Konsolen mit Zierstäben, Füllbretter (neu) gemalt. Das Nachbarhaus:

Nr. 40 (1547), sieben Spann lang, (umgebautes) EG mit ZG, vorkragendes OG.

Nr. 36 (1442/43), ein fünf Spann langes Gebäude mit 1899 umgebautem EG und erstem Geschoss, vorkragende OG hat Kandelabersäulchen in den Pfosten, Flachornament in der Setzschwelle, Perlstäbe und starke Füllbalken von Viertelkreisprofil mit Blattzier. Im Inneren wurden 1899 alte Holzvertäfelungen, welche früher in der Aula des Josephinums waren.

Nr. 29 (1535), fünf Spann lang, EG und ZG, vorkragendes OG ist aus der Übergangszeit, das Obergeschoss mit Renaissancekonsolen; der Eingang mit eigenartiger Rokokobekrönung mit Inschrift: ASSECVRIRET NRO 250 und der Jahreszahl 1769 im festen Oberlicht des Türrahmens. Die Inschrift bezieht sich auf die 1765 vom Fürstbischof Friedrich Wilhelm begründete Brandversicherungsgesellschaft.

Nr. 58 (1529), vier Spann lang, umgebautes EG mit ZG, vorkragendes OG mit Spuren von Vorhangbogen Mitte des 16. Jahrhunderts.

Ein datiertes und mit Ausnahmen des Erdgeschosses gut erhaltenes Haus aus dem 16. Jahrhundert ist das Gebäude

Nr. 18 (1525), vier Spann lang, umgebautes EG mit ZG und vorkragendes OG mit verkröpften Gesimsen, Rollkonsolen und Füllbretter. Ein noch spätgotisch profilierter Türsturz mit überschnittenenStäben trägt zwei Hausmarken: links: Schild mit Bild rechts, rechts: Schild mit Zirkel zwischen den Buchstaben A. S., dazwischen Ano Dni 1569.

Darüber in der Setzschwelle:
Lippelt Hauerlag hefft duth huss gebuweth.

Im Inneren 1908 umgebaut.
In das 17. Jahrhundert gehört der Seitenbau zu Burgstraße Nr.23, ein Stallbau mit der Inschrift: Anno 1622.
Dem Ende des 17. Jahrhunderts gehört sodann an das Eckhaus zwischen Nr. 36 und 37, vier Spann lang, mit drei wenig auskragenden Stockwerken; die Inschrift der Setzschwelle des ersten lautet:

 ACH ∙ GOT ∙ WI ∙ GEHET ∙ DAS ∙ IMMER ∙ ZV ∙ DAS ∙ SI ∙ MICH ∙

HASSEN ∙ DER ∙ EHRLICH ∙ EST ∙ HV ∙ DI ∙ MIR ∙ NICHTES ∙

GVNNEN ∙ VNT ∙ WEINICH ∙ GEBEB ∙ MVSSEN ∙ DOCH ∙

 LEIDEN ∙ DAS ∙ ICH ∙ LEBE ∙

Nr. 56 (1518), sechs Spann lang, EG mit ZG, OG aus gleicher Zeit.

Auch das 18. Jahrhundert hat im Altenmarkt schöne Arbeiten hinterlassen.
Nr. 13 (1276). Das älteste datierte Haus dieser Epoche, ein acht Spann langer dreistöckiger Bau mit der Inschrift in dem Türsturz:

JOHANN LORENZ VETZBERGER

ELISABEDT ∙ BRVNALS ∙ ANNO 1713.

Nr. 59 (1521), doppelte Brettertür, originell durch die ungleich breiten Flügel, außen übereckgestellte profilierte Füllungen, wie sie in reicherer Form an der Ratsapotheke vorkommt.

Der schönste Bau des 18. Jahrhunderts im Altenmarkt ist das prächtige Eckhaus Nr. 61 (1687), elf Achsen Front, dreistöckig, in großen Verhältnissen entworfen (Bild rechts). Mit zwei Risaliten, gekrönt durch flachbogige Giebel, sowie einen mittleren zweimal gebrochenen schwungvoll in einer Vase endigenden Abschluß von drei Achsen Breite. Mansardendach.

Das Holzwerk ist ganz glatt, die gerade abgeschnittenen Balkenköpfe mit einer Gesimsleiste gedeckt, keine Vorsprünge. Über der Hoftür die Inschrift:

 NICOLAVS GOFFAVX HOCHFѶRSTLICH

HILDESHEIMISCHER HOF ∙ COMMISSARIVS

HAT DIESES HAVS BAVEN LASSEN          

IM JAHR 1776.  

 Im Flur ein schönes Flacheisengeländer an der Treppe (Bild unten links). Die Fenster des Treppenhauses als Schiebefenster konstruiert. In dem Eckzimmer des ersten Stockes eine einfache Stuckdecke. Besonders hübsch der Anblick des Hauses aus der Burgstraße, in die es mit dem westlichen Risalit hineinragt.

Im Erdgeschoss, 1889 und 1896 umgebaut; man fand dabei im Grundstein in einer Flache eine Pergamentrolle mit folgender Inschrift in lateinischer Sprache:

„Im Jahre 1775 während der Regierung Josefs II., des römischen Kaisers, unter der Herrschaft Pius VI., des hochedlen römischen Erzbischofs und des Friedrich Wilhelm Ludwigs, des hochedlen Bischofs von Westfalen, Hildesheim und Paderborn. Wilhelm Hansen und Johannes Melchior Brandis, Bürgermeister, Nikolaus Goffeaux, bischöflicher Hofkommisarius, mit seinem Sohne Franz Leopold Goffeaux und Generalvikar zu St. Johann haben dieses Gebäude aus eigenen Mitteln erbaut. Die hl. Dreieinigkeit möge die Gäste und Insassen dieses Hauses gnädig behüten. So bitten wir, Johann Georg Ludwig Hoefer.“

Demnach stammt der Bau von dem Hofkammerrat und Landbaumeister J. G. L. Höfer, welcher auch den Umbau des hl. Kreuzes um 1780 entworfen hat.

[-] Das Haus stand an der Ecke Alter Markt / Burgstraße und wurde 1775/78 vom Fürstlichen Hofkommissarius Goffaux errichtet.

Dieses Gebäude war ein spätes Beispiel der Hildesheimer Fachwerkarchitektur der Zopfzeit (um 1760 bis 1790).

Es baute sich in drei gleich hohe Geschosse auf; nur die jeweils äußersten beide Achsen sprangen ganz leicht vor und bildeten ein extrem flaches Risalit* aus, das jeweils einer der Segmentgiebel bekrönte.

* ein – zumeist auf ganzer Höhe – aus der Fluchtlinie eines Baukörpers hervorspringender Gebäudeteil

Über der Hoftür befand sich fogende Inschrift:

NICOLAVS GOFFAUX HOCHFÜRSTLICH HILDESHEIMISCHER HOF-COMMISSARIUS

HAT DIESES HAVS BAVEN LASSEN IM JAHR 1776

Nr. 57 (1519), kleines zweistöckiges Häuschen von fünf Achsen Front mit Mansardendach, Tür mit reich durchbrochenem Oberlicht und einfachen Füllungen, zu den besten Arbeiten dieser Epoche gehörig. Guterhaltener Messingbeschlag.

Als Abschluß sei noch des hübschen Biedermeierhäuschen:
Nr. 46 (1508) gedacht, von fünf Achsen Front, mit zwei Stockwerken und klassisch schön gezeichnetem Zwerghaus nebst jonischen Pilastern an der Tür (Bild rechts).

Am Ausgange des alten Marktes nach dem St. Maria-Magdalenenkloster stand das Süsterentor mit dem Saldernschen Turme.

 

Quelle: https://www.hildesheimer-geschichte.de/topografie/strassen-pl%C3%A4tze-parks/alter-markt/

Der Steinbruch am Steinberg
Der Steinbruch am Steinberg
Windmühlen sind überall im Hildesheimer Land zu finden
Windmühlen sind überall im Hildesheimer Land zu finden